Mumienjagd im Naturkundemuseum

Heute werde ich euch von einer ganz besonderen Nachtschicht erzählen. Einer Nacht, die mir noch heute sehr gut in Erinnerung ist. Denn jene Nacht damals im Naturkunde Museum werde ich nie vergessen. Es war die Nacht der Nächte und sicherlich mit Abstand das gruseligste, was ich jemals in meiner Laufbahn als Wachmann  bis heute erlebt habe. Normalerweise haben Museen ihre eigenen Nachtwächter, doch unsere Objekt war nicht normal…

Mario und ich schoben damals schon die 4. Woche in einem großen Naturkunde Museum unseren Nachtdienst und langsam wurde es langweilig. Wir kannten schon alle Namen der ausgestellten Dinosaurier auswendig, wussten wie viele Knochen sie hatten und hatten schon anhand von Programmen berechnet, welchen Knochen man wegziehen musste, um so einen Kolos zu Fall zu bringen. Mario hatte auch schon mehrere selbstklebende Zettel geschrieben, die wir in der letzten Dienstnacht an die entsprechenden Knochen kleben wollten. (Auf jeden Zettel standen nur 4 Worte: „Bitte zieh mich raus!“) Ich erinnere mich noch gut an Marios gehässiges Grinsen als er sagte: „Glaub mir Torben, in jeder verdammten Schulklasse die hier durch das Museum gezwungen wird, wird ein Kind sein, das, wenn es Lesen kann, genau das tun wird, was auf meinen Zetteln steht!“ (Damit hatte er zweifellos Recht. Denn nicht umsonst gibt es ja heute diesen berühmten Werbefilm einer Versicherung, die nur allzu gerne an dieser Stelle Namentlich genannt werden möchte. Ich sag nur: „Erst die Kohle, dann der Link…“

In jener Nacht also, es sollte übrigens unsere letzte in diesem Objekt sein, kamen Mario und ich auf die Idee, verstecken zu spielen. Schnell waren die Regeln festgelegt und Mario verschwand als erstes mit 10 Minuten Vorsprung in die im dunklen liegenden Ausstellungshallen.

Einen Plan folgend machte ich mich schließlich auf die Suche. Ich begann im oberen Stockwerk und wollte mich dann der Regeln entsprechend, nur mit Taschenlampenlicht ausgestattet, bis zu der Wanderausstellung der Mumien im Kellerbereich durch Arbeiten. Nach 15 Minuten hatte ich alles soweit durchsucht. Denn viele Versteck Möglichkeiten gab es eigentlich nicht. Schließlich begab ich mich mit etwas mulmigen Gefühlen auf die Treppe, die in das Land der ewig toten Mumien hinunter führte. Glaubt mir, ich bin nicht Ängstlich. Deshalb wird es niemanden wundern, dass ich natürlich kein Liedchen sang sondern laut und mit verstellter Stimme in die Katakomben hinunter schrie: „Ich rieche Menschenfleisch…“ oder „Mario du störst uns in unserer Ruhe…“ und „Wir wissen was du letzten Sommer auf dem Klo gelesen hast!“ Auf diese Weise  gelangte ich schließlich in den Keller und zu den dort in einen Halbkreis aufgestellten TOP TEN der Mumien aus aller Welt. Neben dem prächtigen Sarkophag vom Pharao Tutanchamun, (dieser war geschlossen und sicher nur eine Nachbildung) gab es noch einige etwas weniger prächtige Grabbehältnisse, aus denen es tatsächlich nach Gammelfleisch und voll geschissenen Windeln roch. (Ich schwöre, so roch tatsächlich so!)

Angesichts der geballten Übermacht der Mumien rief ich laut und mutig: „Mario, ich weiß das du hier bist, na komm schon raus!“ Doch Mario blieb mir eine Antwort schuldig. Mit der Taschenlampe bewaffnet ging ich jetzt um jede ausgestellte Mumie herum und als ich bei Nummer 6 ankam, stockte mir der Atem. Es war nicht die Tatsache, dass der Sarkophag geöffnet war, sondern vielmehr das, was sich direkt davor in dem zur Dekoration gestreuten Wüstensand befand.

Deutlich waren dort Spuren zu sehen, spuren die von dem Sarg Nr. 6 wegführten und vor Mumien Behältnis Nr. 7 endeten. Dessen Deckel war, wie es schien ordnungsgemäß geschlossen.

Mir reichte es jedenfalls und ich griff kurzerhand zu meinem Funkgerät, das vorschriftsmäßig im „stand by“ Modus an meinem Gürtel hing. Ich schrie hinein: „Verdammt Mario, das geht entschieden zu weit!“ Statt einer Antwort erklang aus dem Lautsprecher das rauschen einer Toiletten Spülung.

Das was jetzt geschah lies mir das Blut in den Adern gefrieren. Gedanklich noch bei Mario, der nicht hier im Mumien Keller sein konnte, geschweige denn im Sarg Nummer 7, der mit Sicherheit nicht mit einer Klo Spülung ausgestattet sein konnte, musste ich mit ansehen, wie sich jetzt knarrend der Deckel von NR. 7 langsam öffnete. Und dann sprang völlig unverhofft eine graue Gestalt heraus. Vor Schreck lies ich Lampe und Funkgerät fallen und schrie mir die Seele aus dem Hals. In dem jetzt fast dunklen Raum konnte ich gerade noch sehen, wie das unbekannte etwas zu der Treppe eilte und nach oben hin verschwand. Und dann hörte ich Mario von oben schreien: „Halt! Stehen bleiben oder ich lese dieses Comic vor!“ Für kurze Zeit herrschte toten Stille und dann ertönte das Geräusch einer brechenden Glasscheibe. Inzwischen hatte ich mich wieder unter Kontrolle und stürzte zur Treppe hinauf um Mario beim Vorlesen zu helfen. Doch das unbekannte etwas hatte sich ganz offensichtlich zur Flucht durch einer der vier Eingangstüren, die zum Teil aus Glas bestanden, entschlossen.

Ich weiß, das alles hört sich an, als hätte Daniel Kübelböck versucht eine Gruselgeschichte zu schreiben. Doch ich schwöre: Jedes einzelne Wort ist wahr. Bis heute haben wir niemanden davon erzählt. Ihr seid die ersten, die davon erfahren. Man hätte uns damals sicher für verrückt erklärt und so unseren Job verloren. Die zerbrochene Glastür haben wir der Museumsleitung und unseren Vorgesetzten mit betrunkenen Raudis erklärt, die einfach einen Stein hinein geworfen haben sollen.

Ich lasse euch wirklich jetzt nur ungern mit der Gewissheit zurück, das irgendwo da draußen etwas herum läuft, das eigentlich in Sarg Nr. 7 gehört, einer muffigen, in grauen Lumpen gehüllten Mumie, die sicher nicht gerade gut gelaunt sein wird…. Aber es muss sein!

1 Comment

Alexandra KreisslMärz 17th, 2011 at 21:28

Ich bin immer wieder froh, diese Seite aufzurufen.

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